Zelle
Wissenschaft
16.07.2020

Unsere Zellen – winzige, aber perfekte Bausteine

Zellen sind die kleinste lebende Einheit des Körpers, leisten aber immens viel. Das ist uns aber nicht immer bewusst. Die Abermilliarden von Zellen in unserem Körper sind in Ihrem Aufbau und in Ihrer Funktion kompliziert und vielschichtig. Grund genug, sich einige Funktionen einmal genauer anzusehen.

Der menschliche Körper besteht aus mehr als 10 000 Milliarden Zellen. Diese kleinsten Funktionseinheiten im Körper sorgen mit ihrer organisierten Zusammenarbeit dafür, dass ein Mensch entsteht. Innerhalb jeder einzelnen Zelle finden Tausende aufeinander abgestimmte chemische Reaktionen statt, die, gesteuert vom Zellkern, die Zelle am Leben erhalten.

Die Zellen des Körpers funktionieren und arbeiten nach dem Prinzip der Arbeitsteilung, dementsprechend gibt es unterschiedliche Zelltypen. Von Organ zu Organ haben Zellen sehr unterschiedliche Lebenserwartungen: Einige Zellen des Magens leben nur knapp zwei Tage lang, Hautzellen erneuern sich nach drei bis vier Wochen. Rote Blutkörperchen transportieren rund ein Vierteljahr Nährstoffe durch den Körper, Knochenzellen halten dagegen rund 25 Jahre lang.

Allen Zellen gemeinsam ist, dass sie miteinander kommunizieren und lebenswichtige Signale an andere Zellen und Organe senden, dass sie sich teilen und selbst reinigen können.

Bei Menschen und Säugetieren werden praktisch laufend neue Zellen gebildet. Ob bei Wachstum, Regeneration von Verletzungen oder dem Austausch alter Zellen ist die Zellteilung für die Bildung neuer Zellen verantwortlich. Wollen wir gesund bleiben, müssen wir also auf unsere Zellen achten und dafür sorgen, dass das körpereigene Zellrecycling- und der Erneuerungsprozess der Zelle – die sogenannte Autophagie – aufrechterhalten wird.

Bei der Autophagie bauen unsere Zellen beschädigte oder unnütze Zellbestandteile – den schädlichen zellulären Abfall – ab. Ausgemusterte Bausteine können anschließend von der Zelle wiederverwertet werden und regen den Stoffwechsel der Zelle an. Bei diesem Vorgang sprechen wir von der Zellerneuerung. Ist diese erfolgreich, haben wir eine regenerierte Zelle, die sich wieder ihren Aufgaben im Körper widmen kann.

So weit, so gut. Aber warum sollten wir uns über diesen Prozess Gedanken, machen, wenn ihn doch ohnehin die Natur regelt? Die Sache ist die: Mit zunehmendem Alter oder ungesunder Lebensführung verlangsamen sich die Zellproduktion und Zellreinigung. Es kommt zu einem natürlich bedingten Zellverlust. Auch die Zellfunktionen werden langsamer und laufen oft etwas holpriger ab.

Für gesundes Altern sollten wir also unsere Zellen zur Autophagie anregen – und zwar gerne schon frühzeitig. Jetzt die gute Nachricht: Das können wir auch! Indem wir einen gesunden Lebensstil pflegen, unterstützen wir den körpereigenen Zellrecycling- und Zellerneuerungsprozess. Dazu zählen vor allem regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, die Vermeidung von Stress und gesunde Ernährung.

Die Wissenschaft weiß heute, dass auch Fasten die Autophagie der Zellen aktiviert. Vielleicht kommen daher diverse Traditionen, die eine Enthaltsamkeit beim Essen einfordern. Denn Enthaltsamkeit soll ja ebenfalls eine reinigende Wirkung auf Körper und Geist erfüllen.

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