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Wie unser Gehirn Erinnerungen speichert
SoulWissenschaft
19.07.2021

Wie Momente zu Erinnerungen werden

Erinnert Ihr Euch noch an Euren ersten Kuss, Euer liebstes Stofftier aus der Kindheit oder Euren liebsten Lehrer oder Eure liebste Lehrerin aus der Schule? Wir sind uns sehr sicher, dass Ihr auf mindestens eine dieser Dinge mit „Ja“ antworten würdet. Wir sind uns auch sehr sicher, dass wir einigen von Euch jetzt vielleicht auch ein nostalgisches Lächeln auf die Lippen gezaubert haben. Es ist fast schon wie Magie, dass wir ein Wort schreiben können und in Euren Köpfen plötzlich Erinnerungen und Bilder entstehen. Habt Ihr schon einmal darüber nachgedacht, wie das möglich ist? Wie unser Gehirn Momente und Eindrücke speichert, als wäre es eine Speicherkarte?

Unser Gedächtnis ist eines der wertvollsten Instrumente, die wir haben. Durch die Speicherfunktion unseres Gehirnes können wir nicht nur kommunizieren, sondern auch soziale Kontakte pflegen, emotionale Momente aufbewahren und eine Persönlichkeit formen. Kurz gesagt: Ohne Erinnerungen wären wir alle nicht die Menschen, die wir sind. Umso seltsamer ist es doch, dass man selten darüber nachdenkt, was in unserem Gehirn eigentlich passiert, wenn wir uns Dinge einprägen, oder? Wir werden heute versuchen, Euch näher zu bringen was genau in unseren Synapsen eigentlich passiert, wenn unser Gedächtnis arbeitet.

Die neurologische Seite des Gedächtnisses

Unser Gehirn wird jeden Tag ununterbrochen von Informationen überflutet. Alles was wir sehen, hören, riechen oder auf sonstige Art wahrnehmen, wird von unserem Gehirn verarbeitet und weitergeleitet. Davon ist natürlich nicht jeder Eindruck für uns brauchbar. Deswegen merken wir uns zum Beispiel nicht die Farbe des Hundes, der uns gestern bei einem Spaziergang entgegengekommen ist. Genau aus diesem Grund ist eine der Hauptaufgaben unseres Gehirnes auch zu filtern – unnötige Informationen werden nicht gespeichert, nützliche Informationen bleiben bestehen (im besten Fall). Und hier kommen unsere Synapsen ins Spiel. Synapsen sind die Verbindungen zwischen einer Nerven- oder Sinneszelle und einer anderen Nervenzelle oder einem Muskel, über welche Reize übertragen werden. Diese Verbindungen dienen auch als Speichereinheiten, welche es unserem Gehirn ermöglicht, Informationen abzuspeichern. Denn unsere Synapsen können sich in ihrer Ausprägung verändern und – je nach Nutzung – anpassen!

Neue Forschungserkenntnisse

Prof. Dr. Marlene Bartos und Thomas Hainmüller, zwei Freiburger WissenschaftlerInnen haben genauer untersucht, wie sich unsere Synapsen verändern können. Sie konnten in Ihren Forschungen nachweisen, welche molekularen Vorgänge hinter unserem Gedächtnis stecken. Denn Nervenzellgruppen erhalten eine neue Funktion und Struktur, wenn sich ein Gedächtnis“zentrum“ bildet. Dabei verändert sich die Stärke der Synapsen – also der Verbindungen – wodurch der Weg über die Nervenzellen schneller von unserem Gehirn abgerufen werden kann. Metaphorisch gesprochen natürlich. Der Vorgang, der sich verstärkenden Synapsen im Zuge der Gedächtnisbildung, wird auch als langanhaltende synaptische Plastizität bezeichnet. Das bedeutet: Werden Nervenzellen wiederholt gemeinsam aktiviert, verstärkt sich die Verbindung zwischen ihnen! Und werden sie weniger genutzt, verschlechtern sich die Verbindungen wieder.

Im weiterführenden Sinne kann es so auch zu Verkopplung von Informationen kommen. Je mehr Wissen wir uns zu einem zusammengehörigen Thema aneignen, desto mehr verbindet unser Gehirn die einzelnen Speicherorte. Wenn wir dann also versuchen, das Wissen wieder abzurufen, wird das ganze Wissensnetzwerk aktiviert.

Für die längste Zeit wurde angenommen, dass dabei vor allem die erregenden Nervenzellen beteiligt waren. Die beiden ForscherInnen konnten jedoch nachweisen, dass auch die hemmenden Nervenzellen eine Rolle spielen. Denn durch das gezielte Abschalten von nachfolgenden Nervenzellen nach Synapsen wird sichergestellt, dass sich ähnliche Gedächtnisinhalte nicht vermischen können. Das funktioniert natürlich nicht immer problemlos. Habt Ihr Euch schonmal gefragt, wieso es zum Beispiel so schwierig ist, zwei Sprachen gleichzeitig zu lernen? Bei ähnlichen Inhalten, die sich in zu vielen Bereichen überschneiden, kann unser Gehirn teilweise nicht mehr trennen, welche Information zu welcher Kategorie gehört. Und plötzlich vertauscht man spanische mit portugiesischen Worten!

Die emotionale Seite des Gedächtnisses

So weit so gut. Doch natürlich spielen noch viele andere Faktoren eine Rolle dabei, wie gut wir uns Sachen merken. Wir alle wissen, dass Inhalte besser gespeichert werden, wenn wir diese öfter wiederholen. Ob motorisch oder wissenstechnisch – je öfter wir einen Film sehen, ein Buch lesen, eine Tätigkeit ausüben, desto besser merken wir sie uns. Doch Wiederholung ist nicht der einzige Grund dafür, dass manche Dinge eher ins Langzeitgedächtnis wandern.

Auch die individuelle Bedeutung, die wir Information zuordnen, spielt eine Rolle. Je wichtiger wir einen Inhalt finden, desto komplexer werden auch die Signale in unserem Gehirn, die versuchen sicherzustellen, dass diese Informationen auch abgespeichert werden. Umgekehrt verwirft unser Gehirn aber so auch Inhalte, die unbrauchbar oder weniger wichtig für uns sind. Das heißt demnach auch, dass die Reizintensität bewusst von uns beeinflusst werden kann (wenn wir etwas als sehr bedeutend empfinden). Auf der anderen Seite heißt das aber auch, dass teilweise Eindrücke eine sehr hohe Reizintensität haben können, die wir nicht beeinflussen. Das bedeutet, Informationen die zum Beispiel mit starken Emotionen verbunden sind, können auch eher in Erinnerung bleiben. Die erste Liebe, ein traumatisches Erlebnis, ein Film bei dem man besonders gelacht oder geweint hat. Leider können wir uns so also nicht immer aussuchen, was uns im Gedächtnis bleibt.

Unsere Erinnerungen sind nicht unfehlbar

Hier kommen wir nun zu dem wirklich verrückten (und manchmal auch guten) Punkt. Unsere Erinnerungen können sich verändern! Tatsächlich kann sich jede unserer Erinnerungen je nach Stimmung und Wissen ein wenig ändern, wenn wir diese abrufen.

Zum Beispiel kann es sein, dass wir einen Moment mit einem Freund oder einer Freundin besonders schön in Erinnerung haben und im Nachhinein erfahren, dass diese Person uns in diesem Moment angelogen hat. Plötzlich ist die Erinnerung nicht mehr schön, sondern traurig. Und das spannendste daran – unser Gehirn kann nicht nur die Stimmung einer Erinnerung verändern, sondern auch den Inhalt. Denn es richtet unsere Erinnerung so aus, dass es mit unseren Informationen zusammenpasst. Wir haben erfahren, dass wir angelogen wurden – hat die Person nicht doch in einem Nebensatz so etwas angedeutet? Dabei gemein gegrinst, oder uns eine zweideutige Nachricht gesendet?

Unser Gehirn versucht ständig, Lücken zu schließen, Informationen zu ergänzen und sich der Situation anzupassen. Deswegen kann es auch ab und zu zu ungewollten Falschaussagen kommen. Stellt Euch zum Beispiel vor, Ihr seid als Zeuge oder Zeugin vor Gericht und Euch wird gesagt, dass Ihr am Tag davor auf jeden Fall jemanden mit einer Brille getroffen habt. Ihr seid Euch sicher, dass Ihr das nicht habt. Aber je mehr Ihr darüber nachdenkt, desto mehr zweifelt Ihr daran, wie sicher Ihr sein könnt. Plötzlich beginnt Euer Gehirn in Eurem Gedächtnis jemanden zu platzieren, der eine Brille trägt. Und so weiter und so fort.

Auch wenn das vielleicht ein wenig unheimlich klingen mag, ist es auch etwas sehr Schönes. Denn durch diese Fähigkeit ist es uns auch möglich uns weiterzuentwickeln! Zum Beispiel können wir neues Verständnis für das Verhalten einer Person aufbringen und so eine Erinnerung die wir vielleicht als gemein oder kränkend abgespeichert haben, mit mehr Weitsicht und aus einer anderen Perspektive abspielen.

Zusammenfassung

Unsere Synapsen, also die Verbindungen zwischen unseren Nervenzellen, sind dafür verantwortlich, dass wir Erinnerungen speichern, vernetzen, abrufen und wieder vergessen können. Leider gibt es auch Krankheiten wie verschiedene Formen der Demenz, welche unsere Erinnerungsfähigkeit beeinflussen und so einen starken Einfluss auf unsere Wahrnehmung und Persönlichkeit haben. Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir mit einer gesunden Lebensweise gut auf uns achten!

Doch auch im Alltag ist unser Gedächtnis nicht unfehlbar. Unsere Erinnerungen verändern sich ständig und werden durch äußere Eindrücke beeinflusst. Dennoch macht uns das auch eine persönliche Weiterentwicklung und Lernen möglich.

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1 Zink trägt zu einer normalen DNA- und Eiweißsynthese, einer normalen kognitiven Funktion und dem Schutz der Zelle vor oxidativem Stress bei und hat eine Funktion bei der Zellteilung.
2 Siehe Aging (Albany NY). 2018;10(1):19-33 doi: 10.18632/aging/101354
3 Thiamin trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel, einer normalen Herzfunktion, sowie einer normalen psychischen Funktion und einer normalen Funktion des Nervensystems bei.
4 Vitamin C und Zink tragen zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
5 Eisen trägt zu einer normalen kognitiven Funktion, sowie zur Verringerung von Müdigkeit und Erschöpfung bei und hat eine Funktion bei der Zellteilung.
6 Safran trägt zur Aufrechterhaltung einer positiven Stimmung und zur Entspannung bei.

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