Fitness
04.05.2020

Der Run auf’s Laufen

Und, wie läuft’s? Das haben wir Bernadette gefragt, die im Zuge der Corona-Krise das Laufen für sich entdeckt hat. Dass Joggen eine Frischzellenkur sein soll und sowieso gesund ist, wissen wir ja bereits – dass Laufen noch ganz andere Auswirkungen hat, erklärt den Run auf Laufsport.

Wenn man beim Alterungsprozess etwas bewegen möchte, gehört regelmäßiger Sport dazu. Aber welcher eigentlich? Googelt man nach „Sport“ und „Verjüngen“, wird schnell klar: Wenn’s mit dem Anti-Aging laufen soll, sprintet man am besten gleich zu den Laufschuhen. Wer regelmäßig rund 30 Minuten läuft, soll sich binnen weniger Monate um Jahre jünger fühlen. Zahlreiche ForscherInnen haben sich dem Thema gewidmet, Unmengen an Studien wollen das belegen: Die Blutzellen zeigen, dass Ausdauertrainingsarten – und da gehört Laufen auf jeden Fall dazu – wichtige Regulatoren der Zellalterung, genauer gesagt die Telomeraseaktivität und die Telomerlänge, günstig beeinflussen. Telowas? So ging’s uns auch: Als Telomere bezeichnet man die Chromosomenenden. Und ob wir uns jung und fit oder eher alt und schwach fühlen, soll maßgeblich an ihnen liegen. So viel zur Wissenschaft. Viel interessanter ist es doch, wie sich das anfühlt: Deshalb haben wir Bernadette getroffen. Sie lebt in Wien, arbeitet in einer Führungsposition in einer internationalen Werbeagentur und ist unglaubliche 48 Jahre alt. Weder ihr Aussehen noch ihre quirlige Art lassen vermuten, dass Bernadette schon ihren 40. Geburtstag gefeiert hat. Eine ausgewogene Ernährung und viel Bewegung waren ihr immer schon wichtig, allerdings hat sie sich bisher hauptsächlich im Fitnessstudio ausgepowert, mit Yoga fit gehalten und war snowboarden, um ihren Energieüberschuss abzubauen – und ja, den hat Bernadette definitiv.

„Laufen war für mich nie ein Thema, es hat mich gelangweilt und ich bin da nie reingekommen“, sagt sie selbst zu Beginn des Gesprächs. Mittlerweile hat sie online das für sie passende Paar Laufschuhe gefunden, auf das sie keinesfalls verzichten möchte. Sechs Wochen nach Beginn des Shutdowns läuft sie täglich 5,5 Kilometer – und ja, sie wird auch nach Aufhebung der aktuellen, krisenbedingten bedingten Einschränkungen weiterhin ihre Runden drehen. Der Beginn ihres persönlichen Marathonlaufs war, wie bei vielen anderen, die Corona-Krise – man hat ja das Gefühl, die ganze Stadt hat das Laufen auf einmal für sich entdeckt.

Durch die Schließung von Fitness- und Yogastudios hat auch Bernadette ihren persönlichen Plan B gebraucht und ist vorerst mit mäßiger Motivation losgejoggt. Das hat sich binnen kurzer Zeit geändert: „Ich habe recht schnell mein persönliches Tempo gefunden, mich auf die Atmung konzentriert und bin eben weitergelaufen“, erzählt sie. Diese Motivationstiefs beim Ausdauersport sind bekannt. Viele beschreiben, dass auch beim Schwimmen die ersten 10 bis 15 Minuten anstrengend sind und man dann gar nicht mehr möchte – wird dieser Zustand aber übertaucht, erreicht man eine Art von Rausch und will gar nicht mehr aufhören. Genau das erzählt uns auch Bernadette, für die das tägliche Laufen mittlerweile der erste Programmpunkt am Tag ist. „Nach dem Aufstehen gehe ich zuerst laufen, dann bin ich um neun bereit für die ersten Meetings per Zoom, Skype und so weiter“, sagt sie. Wenn sie nicht laufen war? „Dann läuft’s definitiv nicht so gut“, erzählt sie – ihr Morgenritual wirke sich positiv auf ihre Stimmung aus. Aber jetzt zu der Frage, die uns alle interessiert – und zwar, ob sie sich dadurch jünger fühlt: Nach kurzem Überlegen sagt sie, dass die sechs Wochen dafür vermutlich noch zu kurz wären. „Aber definitiv besser und fitter!“, fügt sie hinzu. Wenn sie über das Laufen spricht, klingt das fast wie etwas Magisches. „Was genau macht das Laufen mir dir?“, fragen wir sie. Spontan fällt ihr das Wort „Freiheit“ ein. Sie sagt, dass sie dabei abschalten kann und sich ihr Kopf nach wenigen Minuten viel freier anfühlt. Sie schaut sich die Gegend an, entdeckt immer wieder Häuser, die sie noch nicht gesehen hat, konzentriert sich auf ihre Atmung und denkt einfach wirklich nicht nach – diese Momente sind angesichts ihrer verantwortungsvollen beruflichen Position absolut rar. Sie widmet sich beim Laufen voll und ganz sich selbst, das ist ihre Quality Time, sie fühlt sich nach dem morgendlichen Lauf entspannter, aber gleichzeitig energiegeladen, ruhiger und trotzdem kraftvoll.

Dass irgendwann dieser Anti-Aging-Effekt einsetzt, kann sie sich durchaus vorstellen: „Schauen wir mal, ich laufe ja bestimmt auch in den nächsten Monaten weiter und kann dann berichten, wie viel jünger ich mich fühle“, sagt sie lachend. Ob die wenigen Falten im Gesicht weniger werden, wissen wir jetzt nicht. Aber eines ist klar: Bewegung sorgt dafür, dass im Alter ein flotteres Herz-Kreislauf-System für uns Pumpen geht – und auch das sorgt dafür, dass wir uns jünger fühlen.


Sophia Hintermayer

Junior Project Manager

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