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Mikrobiota
Wissenschaft
11.01.2021

Der Makro-Einfluss unserer Haut- und Darm-Mikrobiota

Der Name der Mikrobiota – unserer Haut- und Darmflora – mag irreführend erscheinen, denn sie hat keinesfalls einen kleinen, sondern einen großen Einfluss auf den Alterungsprozess der Zellen. Worauf Ihr achten könnt, um Eure Zellen zu unterstützen? Wir verraten es Euch.

Zunächst zu den Grundlagen: Was ist eine Mikrobiota? Sie ist ein komplexes Ökosystem von Mikroorganismen wie Bakterien, Pilzen, Viren, Milben und Archaea, die sich dauerhaften oder vorübergehenden an einem Ort tummeln und symbiotisch, neutral oder pathogen sein können. Dieses Ökosystem variiert stark von Person zu Person. Aber auch bei einer Person kann es abhängig vom genauen Ort auf dem Körper, unterschiedlich zusammengesetzt sein.

Warum ist die Mikrobiota so wichtig?

Das Mikrobiom der Haut oder des Darms – wie die Gesamtheit der Mikroorganismen in der Mikrobiota genannt wird – bildet mit dem Organ eine symbiotische Einheit. Als wichtige Übergangszonen, an denen der Körper Kontakt mit der Außenwelt aufnimmt, spielen sie eine Schlüsselrolle für die Regulation des Immunsystems und die Erhaltung der Gesundheit. Wird diese Einheit gestört, können Krankheiten entstehen, wie Forschungstätigkeiten gezeigt haben. Außerdem wurden die Haut- und Darmflora als zwei der epigenetischen Einflussfaktoren auf den Zellalterungsprozess identifiziert. Ist die Mikrobiota also aus dem Gleichgewicht, altern unsere Zellen nachweislich schneller. Daher wollen wir Euch heute zeigen, wie Ihr Eure Haut- und Darm-Mikrobiota unterstützen könnt.

Die Hautflora schützen

Klappt man unsere Haut auf, erreicht sie eine durchschnittliche Oberfläche von rund 1,8 m2. Damit ist sie nicht nur das größte Organ des Menschen, sondern auch ein diverser Lebensraum für die Mikroorganismen unseres Haut-Mikrobioms: Auf jedem Quadratzentimeter (!) unserer Haut leben rund eine Milliarde Mikroben, die gemeinsam ein Ökosystem bilden.

Die äußerste Hautschicht ist mit einem pH-Wert von 4,0 bis 4,5 natürlicherweise sauer. Dafür sorgen Säure-produzierende Bakterien des Mikrobioms. Das saure Milieu erlaubt es positiven und neutralen Bakterien zu wachsen, während es für schädliche Bakterien eine Barriere darstellt und uns so schützt. Wird das Hautmilieu aufgrund äußerer Einflüsse basisch, quillt die Haut auf und wird für diverse Krankheitserreger durchlässig. Sind wir also immuntechnisch angegriffen, ist dieses Ökosystem geschwächt bzw. im Ungleichgewicht und erlaubt Pathogenen, sich auszubreiten.

Unsere Haut-Mikrobiota übernimmt aber noch weitere schützende Funktionen: Sie kann Toxine und freie Radikale entfernen, die sonst zu Hautschäden und vorzeitiger Hautalterung führen können. ForscherInnen haben herausgefunden, dass die Hautalterung (nur) zu 60 % genetisch bedingt ist. Die restlichen 40 % unserer Hautalterung bestimmen wir selbst durch unseren Lebensstil, indem wir beispielsweise unsere Mikrobiota durch Feuchtigkeit, Temperatur und Umweltfaktoren beeinflussen.

Was also können wir tun, um unsere Hautflora zu unterstützen?

Die Antwort: Pflege! Studien haben gezeigt, dass Probiotika die Barrierefunktion der Haut verbessern und dadurch ihre Fähigkeit zur Feuchtigkeitsspeicherung stärken. Bei der Behandlung mit Hautcremen, die Probiotika enthalten, erhöhte sich die Hautfeuchtigkeit bei älteren Frauen nachweislich und Hautfalten wurden sichtbar reduziert. Darüber hinaus kann eine probiotische Hautcreme auch die schädlichen Auswirkungen von UV-Strahlen reduzieren und dadurch vorzeitige Hautalterung verhindern.

Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Hautalterung ist die Ernährung. Dabei sollte man neben einer gesunden Ernährung darauf achten, genug Wasser zu trinken. Es spendet der Haut von innen Feuchtigkeit. Aber auch eine ausreichende Versorgung mit Vitamin A, das unser Körper beispielsweise aus Milchprodukten gewinnt, spielt eine wichtige positive Rolle, bei der Aufrechterhaltung einer gesunden Hautflora.

Weitere relevante Einflussfaktoren auf die Hautalterung sind andere epigenetische Veränderungen. So beeinflussen die Verkürzung der Telomere sowie der Kollagenabbau im Alter oder oxidativer Stress unsere Hautzellen und lassen uns früh alt aussehen. Wer mehr dazu wissen möchte, kann es hier nachlesen. Dagegen lässt sich übrigens mit gesunder Ernährung, Bewegung und ausreichend Schlaf vorgehen.

Die Darmflora unterstützen

Die Darm-Mikrobiota ist bekannt als die Summe aller Mikroorganismen im Verdauungstrakt und umfasst bis zu 100 Milliarden Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze und Archaea. Sie setzt sich aus schätzungsweise 1000 verschiedenen Arten von Darmbakterien zusammen, die in den Wänden des Darms und in dessen Inhalt siedeln und gemeinsam ein Volumen von 1 bis 1,5 kg zählen. Während rund ein Drittel der Darm-Mikrobiota bei allen Menschen gleich ist, sind die restlichen zwei Drittel für jeden von uns spezifisch. Das heißt: Die Mikrobiota im Darm ist wie ein individueller Fingerabdruck. Außerdem gibt es in der Darmflora mehr als 3 Millionen mikrobielle Gene – das entspricht 150 Mal so vielen Genen wie im menschlichen Genom.

Der Darmflora werden viele lebensnotwendige Aufgaben im Körper zugeordnet.

Es gibt eine starke Hypothese, die eine Verbindung zwischen den Mechanismen der Darm-Mikrobiota, des Lipidstoffwechsels und Gefäßerkrankungen herstellt. Aber auch die neurologische Forschung beschäftigt sich mit dem Einfluss unserer Darmbakterien.

Im therapeutischen Bereich eröffnen diese Erkenntnisse Therapien wie Präbiotika, Probiotika und Immunmodulation. Aber auch für Biomarker-Strategien lassen sich diese anwenden. So können prädiktive Profile festgelegt werden, die die metabolischen und kardiovaskulären Erkrankungen von PatientInnen klassifizieren.

Die Darmflora übernimmt aber auch Funktionen bei der Abwehr von gefährlichen Keimen und Giften, bei der Stärkung des Immunsystems und bei der Produktion von Polyaminen, wie zum Beispiel Spermidin. Der Einfluss des Mikrobioms auf die Zellerneuerung ist aktuell ein zentrales Thema der Zellforschung.

Einer weiteren Theorie zur Zellalterung im Zusammenhang mit der Darmflora widmet sich Prof. Claudio Franceschi von der Universität Bologna: Er untersucht an 100-Jährigen und deren Nachkommen, ob leichte chronische Entzündungsreaktionen Alterungsprozesse begünstigen und möglicherweise den geistigen Abbau im Alter fördern. Er glaubt, dass das Mikrobiom des Darms und verschiedene Ernährungsfaktoren diese chronischen Entzündungsprozesse – und damit die Zellalterung – begünstigen.

Was aber kann das für uns bedeuten? Nun, wenn wir wissen, dass die Darmflora einen Einfluss auf die Gesundheit und Zellerneuerung nimmt, können wir einerseits Krankheiten vorbeugen, aber andererseits auch Therapien entwickeln. Ein fundiertes Wissen über die Eigenschaften und Zusammensetzung der Mikrobiota könnte zur Verbesserung der individuellen medizinischen Versorgung beitragen.

Was also können wir tun, um unsere Darmflora zu unterstützen, und damit vorzeitiger Zellalterung vorzubeugen?

Nun, in erster Linie geht es darum Belastungen auszuschließen oder ihnen entgegenzuwirken. Dazu zählen Infektionskrankheiten, schwere psychische Belastungen oder schlechte Ernährung. Was wir an Nahrung aufnehmen nährt auch die Bakterien, die in unserem Verdauungssystem leben. Deshalb sollten wir auf eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung achten. Dazu zählen Gemüse, Früchte und Getreide, denn sie enthalten Präbiotika, auch „fermentierbare Ballaststoffe“ genannt, die unsere Darm-Mikrobiota unterstützten. Auch Probiotika, wie zum Beispiel Sauerkraut, Joghurt, fermentierte Lebensmittel unterstützten unseren Darm.

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